Erste Hilfe beim Hund

Unser Mitglied und aktiver Jäger Tierarzt Dr. Thomas Dittus von der Tierklinik Stadtsteinach erläutert nachfolgend, welche Maßnahmen der Hundeführer im Falle einer schnellen Versorgung durchführen sollte.

A. Grundregeln, wie man sich gegenüber dem verletztem Tier verhalten sollte:

  1. Hund als erstes Anleinen
  2. Fang mittels Maulschlaufe zubinden, wenn er aggressiv reagiert (aber keinesfalls, wenn Hund bereits bewußtlos ist oder aus der Nase blutet bzw. sich laufend erbrechen muss oder einen Fremdkörper im Maul hat, der ihn laufend zum Herauswürgen reizt)
  3. Hund auf Rettungsdecke in Stellung Platz befehlen und mit Hilfe der Leine am Ort festbinden, damit er sich nicht doch noch unkontrolliert entfernen kann (dies ist bes. wichtig wenn das Tier unter Schock steht)
  4. Ist Hund teilnahmslos bzw. apathisch Hund ihn so umlegen, dass er in die stabile rechte Seitenlage gelangt
  5. Vertraute Person sollte sich um das verletzte Tier kümmern
  6. Beruhigend einwirken damit Tier Vertrauen fassen kann, dass ihm jetzt geholfen wird und so seine Stress-Situation aufhört und das Tier wieder relaxen kann
  7. Allgemeinzustand des Tieres in Bezug auf Bewußtsein- Atmung-Kreislauf feststellen:

Bewußtsein:

ansprechbar, reagiert auf Berührungen, Streicheln, Schmerzreaktion, teilnahmslos, aggressiv, erregt, friedlich

Atmung:

Atemwege frei machen bzw. freihalten, Zunge herausziehen und dabei auf Zungenfarbe achten ( rosa, blass, blau ), im Falle des Aussetzens der Atmung sofort mit dem Beatmen beginnen, da sonst, wenn das Hirn 3 – 5 Min. ohne Sauerstoffversorgung ist, unreperable Hirnschäden auftreten können; hierzu Kopf des Hundes strecken und Schnauze schließen und über beide Nasenlöcher eigene menschliche Atemluft mit dem Mund dem Tier vollständig einblasen.

Herz/Kreislauf:

bei ausbleibender Herzfrequenz hinter Ellenbogen des Vorderlaufes des Hundes bei rechter Seitenlage mit Herzdruckmassage durch eine flache Hand ( 1 mal / Sek. )beginnen, 10 mal Kompression des Brustkorbes, dann wieder im Wechsel 3 mal Beatmung über die Nase; setzt nach 15 Min. nicht der Herzschlag wieder ein, so ist kein weiterer Erfolg zu erwarten und die Aktion als aussichtslos abzubrechen.

 

B. Normwerte für eine bedenkenlose Situation des Hundes :

  • Atemfrequenz : 10 – 40 Atemzüge/ Min.
  • Atemvolumen : 15 ml/kg KG
  • Herz- bzw. Pulsfrequenz : 60 – 120 Herzschläge/Min.
  • Schleimhautfarbe ( Augen/Genitalien ): blass rosa
  • Kapillarfüllungszeit ( Zahnfleischtest ) : ˂ 2 Sek
  • Körpertemperatur : 38,0 – 39,0 ° C

 

 

Bevor man zum Tierarzt aufbricht sollte man diesen telefonisch kontaktieren und über die Schwere der Verletzung des Hundes informieren, damit er notwendig werdende Vorbereitungsmaßnahmen treffen kann und bis zum Eintreffen des Patienten keine Zeit verloren geht .

 

C. Transport des verletzten Hundes zum Tierarzt

  1. Wenn möglich Tier selber zum Auto laufen lassen
  2. Ist dies nicht möglich, verletztes Tier so vorsichtig tragen, dass es möglichst wenig Schmerzen erleiden muss, ggf. verletzte oder gebrochene Glieder locker hängen lassen kann
  3. Wenn möglich für Fahrer sorgen, damit sich der Besitzer voll um verletztes Tier kümmern kann.

 

D. Häufige Verletzungen

 

1. Verletzungen der Augenlider

  • Kratzen mit der Pfote verhindern
  • Schnellstens Tierarzt aufsuchen
  • Keine Salbe auftragen oder einbringen

 

2. Hornhautverletzungen am Auge

  • Kratzen mit der Pfote verhindern
  • bei Verätzungen infolge Kontakt mit Säure oder Lauge: schnellstens Auge mit sauberen Wasser ausspülen
  • Exophthalmus (Auge aus der Augenhöhle ausgetreten): versuchen Auge in ursprüngliche Ausgangsposition zurückzudrücken
  • sofort Tierarzt aufsuchen

 

3. Schürfverletzungen

  • Haut nur oberflächlich verletzt, Wunde mit physiolog. Kochsalzlösung reinigen und mit Desinfektionsmittel einsprühen
  • Offene Verletzungsstelle, wenn größer mit steriler Kompresse abdecken und diese mittels Mullbinde oder Heftpflaster fixieren
  • Tierarzt zur genaueren Untersuchung aufsuchen

 

4. Schnitt- und Rissverletzungen

  • Haut komplett bis in tiefere Schichten verletzt, Fellhaare rund um die Verletzungsstelle mit Schere oder Einmalrasierer vorsichtig entfernen
  • bei stärkeren Blutungen Druckverband anlegen, um so Blutung zum Stillstand zu bringen 
  • bei Durchbluten neue Idealbinde drauf
  • Vorsicht! Kein Abbinden bei Achillessehnen-Verletzungen
  • sofort Tierarzt aufsuche

 

5. Stich- und Schussverletzungen

  • sofort schnellstens Tierarzt aufsuchen, damit mögliche innere Verletzungen durch Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen abgeklärt und evtl. notwendig werdende Operationen sofort eingeleitet  werden können.
  • niemals versuchen eingedrungenen Fremdkörper zu entfernen

 

6. Bissverletzungen

  • sofort Tierarzt aufsuchen, da Ausmaß der Verletzung äußerlich nicht klar ersichtbar sein muss, besonders wenn Wunde stark blutet
  • Verletzungen durch kleine Fremdkörper (wie Dornen oder Glassplitter) können selbst mit spitzer Pinzette entfernt werden, solange sie sich nicht im Auge befinden
  • größere Fremdkörper sind zu belassen und vom Tierarzt zu entfernen

 

7. Verletzungen an den Pfoten

  • sind selten lebensbedrohlich, sollten aber ernst genommen werden, da sie doch stark die Bewegungsfreiheit des Hundes einschränken
  • bluten oft stark, besonders wenn es sich um Schnittverletzungen am Ballen handelt; deshalb gilt es als Erstes Blutungen durch Verband zu stillen und Wunde so abzudecken, dass Infektionsgefahr gebannt wird
  • evtl. kann das Anlegen eines Schuhes Sinn machen, damit der Hund seine Bewegungsfreiheit wieder zurückerhält und die Wund besser abheilen kann

 

8. Verletzungen am Ohr

  • bluten oft stark und müssen mit steriler Kompresse so abgedeckt werden, dass Blutung möglichst zum Stillstand kommt
  • umgehend Tierarzt aufsuchen, besonders wenn sich Hund laufend mit seinen Behängen schüttelt  → Verdacht auf Ohr-Hämatom muss abgeklärt werden
  • umgehend Tierarzt aufsuchen, um bei tieferen Verletzungen Blutung schneller zum Stillstand zu bringen

 

9. Zahn- oder Kieferverletzungen

  • ganzer Zahn ausgebrochen → sofort mit Zahn Tierarzt aufsuchen, damit dieser wieder in den Kiefer reimplantiert werden kann
  • bei zuchttauglichen Hunden sich tierärztliche Bestätigung über Eingriff ausstellen lassen
  • bei Zahnfraktur →  umgehend Tierarzt aufsuchen, um Massnahmen zum Zahnerhalt abzuklären, evtl. Überkronung notwendig und sinnvoll oder Extraktion des kaputten Zahnes

 

10. Fremdkörper in der Mundhöhle

  • wie Knorpelring vom Schlund, der sich beim Fressen über Zunge geschoben hat → umgehend Tierarzt aufsuchen, da sonst Zunge absterben kann
  • wie Knochenring, der sich beim Fressen über Unterkiefer geschoben hat →sofort Tierarzt aufsuchen, da zur Entfernung jeweils Narkose notwendig wird
  • sofern sie nirgends tiefer auf- oder eingespießt sind, können sie selbst entfernt werden

 

11. Offene Thorax- oder Brustverletzungen

  • Atmung nicht mehr möglich ( Pneumothorax ) → sofort schnellstens mit einem feuchten Verbandstuch in der Ausatmungsphase offene Brustkorb-wunde fest abdecken und Tuch auch während des Transportes draufgedrückt lassen
  • schnellstens Tierarzt aufsuchen, da lebensbedrohlicher Zustand für das Tier besteht
  • niemals Schnauze zu binden, da Hund sonst nicht frei atmen kann und Tierarzt auch keine Möglichkeit hat Hund über Tubus zu beatmen bevor er ihn operier

 

12. Offene Bauchverletzungen

  • vorgefallene Organe wie Därme nicht in die Körperhöhle zurückdrücken wollen
  • Bauchwunde mit feuchtem Verbandtuch abdecken 
  • Hund bequem lagern mit Wunde nach oben
  • umgehend Tierarzt aufsuchen

 

13. Knochenbrüche

  • bei geschlossenen Frakturen: Tier bequem lagern, immer Fraktur oben liegend, gut gepolstert (mdst. 10 cm dicke Polsterung) transportieren
  • bei offenen Frakturen : Wunde steril mit Kompresse abdecken und verschließen, Tier bequem lagern immer Fraktur oben liegend, gut gepolstert ( mdst. 10 cm dicke Polsterung ) transportieren
  • umgehend Tierarzt aufsuchen

 

14. Schockzustand

  • ausgelöst durch Volumenmangel : Missverhältnis zwischen zirkulierendern den Gefäßen befindlicher und ausgetretener Blutmenge infolge innerer oder äußerer Blut- oder sonstiger Flüssigkeitsverluste, z.B. auch bei Verbrennungen, Brechdurchfällen oder starkem Schwitzen→ Volumenmangelschock
  • ausgelöst durch Vergiftungen → septischer Schock
  • ausgelöst durch Allergien → anaphylaktischer Schock
  • ausgelöst durch Kopfverletzungen → neurogener Schock
  • ausgelöst durch Unterzuckerung → hypoglykämischer Schock
  • Anzeichen: zunehmende Körperschwäche, infolge Schwindel taumelnder Gang, nachlassende flache Atmung ( Frequenz normal → 18 – 20 / Min. ), Blutdruckabfall, erhöhter Puls, der zunehmend schwächer wird, kalte, blasse Schleimhäute, Endstadium → Bewusstlosigkeit -> Lebensbedrohlicher Zustand für das Tier, wenn nicht schnelle tierärztliche Rettung erfolgt
  • Cornea – Reflex mit Hilfe von Fingerdruck auf Hornhaut des offenen Auges prüfen → Lidreflex muss selbst bei Bewusstlosigkeit eintreten
  • Erste Hilfe – Maßnahmen : rechte stabile Seitenlagerung, Kopf strecken und wenn möglich tiefer lagern, damit Hirn besser durchblutet werden kann
  • schnellstens Tierarzt aufsuchen

 

15. Herzstillstand

  • Anzeichen : Puls nicht mehr fühlbar
  • Erste Hilfe – Maßnahmen : rechte stabile Seitenlagerung, Kopf strecken und Fang geschlossen halten, Herzdruck/Brust-Massage 1 x /Sek. , nach 10 Herzmassagen, 3 x Atemspenden durch die Nase bei geschlossenem Fang, dann wieder 10 Herzdruck-Massagenschnellstens
  • schnellstens Tierarzt aufsuchen, jede Minute zählt über Leben oder Tod

 

16. Atemstillstand

  • Anzeichen: Brustkorb bleibt regungslos, keine Ausatmungsluft aus der Nase
  • Mundhöhle zunächst auf Fremdkörper untersuchen
  • Zunge aus Fang ziehen  → hoffen, dass Spontanatmung einsetzt
  • Atemspenden durch die Nase bei geschlossenem Fang, aber nicht zu schnell und häufig schnell
  • schnellstens Tierarzt aufsuchen, jede Minute zählt über Leben oder Tod

 

17. Hitzschlag

  • Anzeichen : Hund hechelt, Zunge weit herausgestreckt, leckt sein Fell, erbricht
  • Erste Hilfe – Maßnahmen : Hund mit feuchten Tuch erst Extremitäten dann gesamtes Fell bedecken oder mit Hilfe von Blumensprüher Fell mit Wasser anfeuchten damit Verdunstungskälte Körpertemperatur wieder auf Normal-wert von 38,3 - 39° C abkühlt
  • lebensbedrohlicher Zustand, der zum Kreislaufversagen durch Volumen-mangelschock führen kann
  • schnellstens Tierarzt aufsuchen

 

18. Vergiftungen

  • Anzeichen : Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Blutdruckabfall, erhöhter Puls, der zunehmend schwächer wird, kalte, blasse Schleimhäute, Endstadium → Bewusstlosigkeit
  • wenn Giftpräparat bekannt ist, das Vergiftung ausgelöst hat, Packung mit zu Tierarzt bringen
  • schnellstens Tierarzt aufsuchen, jede Minute zählt über Leben oder Tod

 

19. Krampfanfälle

  • Auslösende Ursachen :  Epilepsie, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Tumore, Verletzungen des Zentralnervensystems, Herz- oder Kreislaufstö-rungen
  • Auftretende äußere Symptome : Hinstürzen, verstärkter Speichelfluss, Nerven-Zuckungen, Harn- und Kotabsatz sind meistens nach wenigen Minuten vorbei,  können aber jederzeit wieder auftreten
  • Vorsicht ! Hund beißt in diesem Zustand wild um sich
  • Erste Hilfe – Maßnahmen : Decke über Hund werfen und abwarten bis Anfall vorbei ist, dann wird Hund auch wieder normal reagieren
  • Tierarzt zur genaueren Untersuchung aufsuchen