Das Jagdhorn und seine Einsatzbereiche

Wie heutzutage allgemein im Bereich der Jagdmusik üblich, sind auch bei den Jagdhornbläsern des JJV Kulmbach unterschiedliche Arten von Instrumenten in Gebrauch: das Fürst-Pless-Horn in B, das Parforcehorn in B oder in Es, sowie das zwischen beiden Tonarten umschaltbare Parforcehorn.

Das Fürst-Pless-Horn in B

Das Fürst-Pless-Horn ist das hierzulande am besten bekannte und auch am meisten gebräuchliche Jagdhorn. Es ist in der Tonart B gestimmt und umfasst einen Tonumfang von sieben Naturtönen, die sich über zwei Oktaven erstrecken. Wie auch bei dem nachstehend vorgestellten Parforcehorn in B oder Es besteht hier die Besonderheit, dass das Instrument keine Ventile aufweist und die Tonerzeugung ausschließlich durch die Lippenformung, die Zunge, sowie die Steuerung des Luftstroms erfolgt.

Das Fürst-Pless-Horn wird vornehmlich als Signalhorn bei Gesellschaftsjagden verwendet. So erklingen dort zur Verständigung der Jäger und Treiber Jagdleitsignale wie etwa das „Sammeln der Jäger" oder das „Anblasen des Treibens", nach erfolgreicher Jagd wird durch Totsignale die Wildstrecke verblasen. Trotz des geringen Tonumfangs wurden im Laufe der Zeit durch deutsche und österreichische Komponisten aber auch kurze, mehrstimmige Märsche, Fanfaren und Spielstücke komponiert, die insbesondere durch gemischte Bläsergruppen, bestehend aus Fürst-Pless-Hörnern und Parforcehörner zum Besten gegeben werden. Zu nennen ist hier insbesondere Reinhold Stief, dem ein erheblicher Verdienst an der Entwicklung der deutschen Jagdmusik in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zukommt.

Das Parforcehorn in B bzw. das Umschaltbare Parforcehorn in B/Es

Ein Großteil der B-Horn-Gruppen treten oftmals in der gemischten Version aus Fürst-Pless- und Parforcehörnern auf, was ein breites, mehrstimmiges Klangbild hervorbringt. Ferner existieren auch einige reine Parforcehorngruppen in B, wie es beispielsweise unsere Bläser aus Stadtsteinach handhaben.

Eine Besonderheit stellt das zwischen den Tonarten B und Es umschaltbare Parforcehorn dar. Durch den Einbau eines Ventils kann dieses Horn nicht nur in der Tonart Es geblasen, sondern auch als B-Horn verwendet werden.

Für den Gebrauch als Es-Horn eignet sich dieses Horn indessen weniger gut, da es aufgrund des Ventils wesentlich schwerer und sperriger ist als das reine Es-Horn.

Das Parforcehorn in Es

Dieses Parforcehorn ist in der Tonart Es gestimmt. Auch auf diesem Horn lassen sich ausschließlich Naturtöne erzeugen, da es ebenfalls keine Ventile besitzt. Das Horn hat einen Tonumfang über drei Oktaven, sodass sich hier immerhin 16 verschiedene Töne erzeugen lassen. Einige zusätzliche Töne lassen sich ferner durch die sog. Stopftechnik hervorbringen, indem man einen Naturton um einen Halbtonschritt „herunterdämpft“, indem man die Hand in den Schalltrichter, die sog. Stürze, schiebt. Das Parforcehorn hat demgemäß auch ein weitaus größeres musikalisches Repertoire als das Jagdhorn in B.

Seinen Ursprung hat dieses Horn in Frankreich. Die dort bis heute gebräuchliche „Trompe de Chasse“ (= Jagdhorn), die in der Tonart D gestimmt ist und viele Gemeinsamkeiten mit dem erst später hierzulande entwickelten Es-Horn aufweist, erlebte ihre Blütezeit am Hofe Ludwigs XV, wo sie insbesondere durch den Marquis de Dampierre gefördert wurde, der selbst für die Entwicklung einiger wichtiger Jagdfanfaren verantwortlich zeichnete. Wie das B-Horn wurde auch die Trompe ursprünglich als Verständigungsinstrument genutzt, und zwar auf den sog. Parforcejagden, welche zu Pferde ausgetragen wurden. Auch die Hörner wurden auf solchen Jagden von Berittenen geblasen. Hier liegt auch der Grund für die teilweise geschwärzten Stürzen: Dem Bläser folgende Reiter samt Pferden sollten nicht durch die Sonneneinstrahlung geblendet werden.

Die französischen Jagdsignale sind größtenteils noch heute in Form von Fanfaren gebräuchlich. Daneben aber hat sich aufgrund der Möglichkeiten, die dieses Horn bietet, eine breite Palette an Stücken entwickelt, die hauptsächlich auf französische Komponisten zurückgeht. Insbesondere die Legende um den Heiligen Hubertus hat zahlreiche, vornehmlich aus Frankreich stammende Komponisten dazu veranlasst, Messen für Jagdhörner zu vertonen. Zu nennen ist neben den Hubertusmessen aber auch die konzertante Jagdmusik. Ursprünglich vornehmlich für die königliche Tafelmusik nach der Jagd oder repräsentative Veranstaltungen komponiert, werden konzertante Stücke sowohl in Frankreich als auch hierzulande bis heute gerne geschrieben und bei sich bietender Gelegenheit vorgetragen. Als die bedeutendsten französischen Komponisten sind Gustave Rochard, Tyndare Gruyer, Jules Cantin und der bis in die Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wirkende Gaston Chalmel zu nennen.

In Deutschland wurden das französische Jagdhorn und die entsprechenden Signale nur langsam aufgenommen. Franz Anton Reichsgraf von Sporck hatte auf einer Bildungsreise in Paris und am Hof von Versaille die Musik der Trompe de Chasse gehört und war so tief beeindruckt, dass er zwei seiner Leibeigenen nach Paris schickte und sie dort am Hofe von Versailles im Blasen der Trompe ausbilden ließ. Zurückgekehrt nach Böhmen auf die Güter des Grafen gaben diese als Lehrer ihr erworbenes Wissen weiter, sodass sich die Jagdmusik zunächst in Österreich und Böhmen etablieren konnte. Dort allerdings nahm die Musik eine völlig andere Entwicklung als im französischen Mutterland des Hornes. Dadurch, dass sich berühmte Wiener Waldhornisten wie Karl Stiegler und Anton Wunderer des Jagdhorns annahmen, erfolgte in Österreich nicht nur hinsichtlich der Blastechnik, sondern auch in Bezug auf das Repertoire eine deutliche Annäherung an das Waldhorn. Zudem wurden und werden bis heute viele Märsche komponiert, die der Musik von Blaskapellen nicht unähnlich sind. Als bedeutendste österreichische Komponisten sind neben den bereits erwähnten Personen Josef Schantl und die noch lebenden Komponisten Johann Hayden und Hermann Maderthaner zu nennen. 

Größere Bedeutung erlangte das Horn hierzulande durch das Wirken von Reinhold Stief Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Dieser war maßgeblich dafür verantwortlich, den Brauch der Hubertusmesse auch auf Deutschland zu erstrecken. Hierzu stellte Stief eine eigene Messe zusammen, die sehr stark an verschiedene französische Messen angelehnt und teilweise vereinfacht wurde, um auch deutschen Parforcehornbläsern, die mit der französischen Blastechnik nicht oder nur wenig vertraut waren, das Blasen der Stücke zu ermöglichen. Dazu trug Stief auch durch viele Eigenkompositionen zur Entwicklung der deutschen Parforcehornmusik bei. 

Mit der Jagdhornmusik begann auch der Instrumentenbau in deutschen Landen. Das in Deutschland gebräuchliche Parforcehorn in Es unterscheidet sich allerdings, nicht nur wegen der um einen Halbton höheren Grundstimmung, von der französischen Trompe de Chasse. Die Trompe hat einen engeren Rohrdurchmesser und die Stürze ist zylindrisch ausgebildet. Das deutsche Jagdhorn hat einen weiteren Rohrdurchmesser und ist kontinuierlich konisch bis zum Stürzenrand.